Illustration in EXODUS - Magazin geht neue Wege

Für EXODUS 37 illustrieren auch Studenten und Studentinnen der HDM

Obwohl EXODUS ganz sicher keinen Mangel an professionellen Illustratoren und Illustratorinnen hat, sind wir für die Ausgabe 37 neue Wege gegangen: Drei Geschichten aus der kommenden Ausgabe haben wir einem Illustrationskurs der Hochschule der Medien in Stuttgart vorgelegt. Die Teilnehmer konnten sich so für eine der Stories entscheiden um hierzu eine exklusive Grafik zu entwerfen. - Ein wirklich spannendes Experiment!

So kamen insgesamt weit über zwanzig Arbeiten zusammen, die (stilistisch ebenso vielseitig wie handwerklich gekonnt) die angebotenen Themen umsetzten. Allesamt interessante und spannende Bilder, die wir unseren Lesern auf keinen Fall vorenthalten wollen und in den kommenden Tagen an dieser Stelle noch vorstellen werden.

Die Illustrationen für zwei der Geschichten wurden inzwischen von uns, der Redaktion, intern ausgewählt - was uns allerdings nicht leicht gefallen ist. Für die dritte Story mit dem Titel »Das Zeichen« von Erik Simon können unsere Leser - also Ihr - auf unserer Facebook-Seite mit entscheiden. Macht also mit!

Eine Leseprobe der betreffenden Geschichte, sowie die Illustrationen die zur Auswahl stehen, fügen wir hier schon einmal an:

Julia Herzog

oben: Illustrationsvorschlag von Julia Herzog

Isabeau Schmidt Nunez

oben: Illustrationsvorschlag von Isabeau Schmidt-Nunez

Sofia Papadopoulou

oben: Illustrationsvorschlag von Sofia Papadopoulou

Lisa Rein

oben: Illustrationsvorschlag von Lisa Rein

Vera Baumeister

oben: Illustrationsvorschlag von Vera Baumeister

 

- - - - - (Leseprobe) - - - - -

Erik Simon
»Das Zeichen«

Die Zeichenmethode ist bei der Beschwörung von Dämonen und anderen jenseitigen Wesenheiten die wirkungsfähigte, allerdings auch die störanfälligste. Das gilt insbesondere für Handzeichen, für manche braucht man in den Finger die Beweglichkeit eines Taschenspielers und die Exaktheit eines erstklassigen Geigers. Ich hatte mich daher für die Kombination eines ganz einfachen Zeichens mit einem Spruch entschieden.

Als Zeichen malte ich also das gute alte Pentagramm auf den Fußboden einer ehemaligen Tischlerwerkstatt in einem Hinterhof der Alaunstraße. Die Räume hatte ich eigens zu diesem Zweck angemietet – mitten in der Stadt und doch abseits gelegen. Ob das mein erster Fehler war, kann ich immer noch nicht recht entscheiden, zumindest war es zunächst ganz überflüssig: Der Dämon erwies sich als ziemlich mickrig, gut einen Meter groß. Er hatte kleine Fledermausflügel – reine Dekoration, fliegen konnte er damit höchstens in der Schwerelosigkeit einer Raumstation, statt Hörnern so einen albernen Zackenkamm auf dem Kopf.

»Was willst du?«, fragte der Dämon, immerhin nicht auf Klingonisch.
»Guten Tag«, antwortete ich.
»Beziehungsweise guten Abend. Willkommen.«
»Hä?«, sagte der Dämon und streifte das Haarbüschel am rechten Ohr zurück, soweit das möglich war.
Ich sagte: »Guten Abend, willkommen. Möchtest du dich vielleicht vorstellen?«
»Hältst du mich für blöd?«
»Hast du Grund zu der Annahme? Passiert es dir öfters?«
»Wer den Namen eines Dämons kennt, hat Macht über ihn. Den wahren Namen, versteht sich. Du hast dich schließlich auch nicht vorgestellt.«
»Stimmt. Übergehen wir diesen Teil also.«
»Was willst du?«
Das hatten wir nun schon, und eine gewisse geschäftsmäßige Zielstrebigkeit weiß ich durchaus zu schätzen. Also sagte ich, und zwar eingedenk der Haarbüschel laut und deutlich: »Momentan will ich gar nichts von dir. Bleib einfach eine Weile hier. Mach es dir bequem, fühl dich wie zu Hause. Kann ich etwas für dich tun? Brauchst du etwas?«