Eine Interviewreihe zum Abschied, Teil 3
Mit Dieter Korger setzt sich unsere Interviewreihe zum Abschied von EXODUS fort. Im Gespräch mit Hans Jürgen Kugler erzählt der Autor und Lektor, wie ihn die Science Fiction seit seiner Jugend begleitet, warum sie für ihn vor allem vom »Durchspielen von Optionen« lebt und weshalb ihre Faszination bis heute ungebrochen ist.
Abschiedsinterview mit Dieter Korger:
»Das Faszinierende in der SF ist das Durchspielen von Optionen«
Dieter, du hast viel und sehr intensiv für EXODUS lektoriert. Ich finde, da gehörst du auch in einem Interview gewürdigt. Deshalb habe ich ein paar Fragen für dich vorbereitet. Fangen wir hiermit an: Wie bist du zur Science-Fiction gekommen?
Sicherlich zunächst durch das Lesen von Comics in jungen Jahren. Später dann bin ich in die Phantastische Bibliothek des Suhrkamp-Verlags eingetaucht. Vor allem hat Stanisław Lem bei mir großen Eindruck hinterlassen, und natürlich H.P. Lovecraft.
Da haben wir den gleichen Hintergrund. Hat dich die Science-Fiction-Literatur von Anfang an angesprochen, so in der Art: Das ist genau mein Ding?
Bestimmt. Aber ich habe als Kind von acht, neun Jahren auch immer fasziniert in den Sternenhimmel geschaut und mir ausgemalt, was da draußen sein mag. Meine Faszination für Astronomie war somit der primäre Impuls.
Ich weiß noch, wie ich mir von meinem ersten Gehalt ein Teleskop gekauft habe und so den Kosmos genauer betrachten konnte. Das mache ich zuweilen heute noch. Aus dem Grund lasse ich mir übrigens die totale Sonnenfinsternis nicht entgehen, die es Mitte August in Nordspanien geben wird.(*)
Ach, irre! Die hätte ich mir ebenfalls gern angeschaut. Gibt es für dich in der Science-Fiction eigentlich ein Lieblingsbuch, einen Autor oder einen Lieblingsfilm?
Ja, es gibt eine fünfbändige Buchreihe, die ich seit über vierzig Jahren verehre – den ›Riverworld‹-Zyklus von Philip José Farmer. Ist so was wie mein All Time Favorite. Habe ich mehrmals gelesen. Ist zwar heute hoffnungslos veraltet und fasziniert mich dennoch weiterhin. Eine Verfilmung hat man mal versucht und voll gegen die Wand gefahren. Da müsste man eigentlich ein Filmepos wie ›Dune‹ draus machen.
Bei den Filmen könnte ich dir vielleicht einhundert aufzählen, statt einen zu nennen. ›Blade Runner‹ wird aus meiner Sicht ein ewiger Meilenstein sein. Und es gibt so wahnsinnig gut gemachte Filme aus den 50er-Jahren. Die Trickeffekte wirken heute vielleicht unterirdisch, aber die Plots waren klasse. Ich denke da an das Original von ›Invasion of the Body Snatchers‹. Der Film spiegelt die damalige Angst in den USA vor sinistren Mächten wider, die sie nicht kontrollieren können; und seien es die Sowjets.
Das war die Blütezeit der Science-Fiction in Amerika. Die haben damals thematisch wirklich alles behandelt, was heute quasi nur ein weiteres Mal durchgekaut wird.
Da bin ich ganz bei dir. Eigentlich wurde inhaltlich das meiste schon geschrieben.
Was unterscheidet deiner Meinung nach die Science-Fiction von anderen Literaturgattungen? Was ist das besonders Faszinierende daran?
Das Faszinierende ist meiner Meinung nach das Durchspielen von Optionen. Was wäre, wenn …? Koppelt man diese Frage geschickt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und dekliniert sie gerne bis weit in die Sterne durch, kann Großartiges entstehen. Das vollbringt kein anderes Genre.
Ja, deshalb ist es so schade, dass die SF in Deutschland so unterbewertet wird.
Stimmt, und doch ist es absurd. In die großen SF-Blockbuster stürmen die Leute alle rein, während die SF-Literatur unbeachtet herumliegt.
Deshalb bleibt die Science-Fiction-Community hierzulande leider klein – aber fein! Das sage ich dank meiner Langzeiterfahrung bei EXODUS. Ich habe viel gelernt und mitgenommen, seit ich bei euch im August 2023 eingestiegen bin.
Wir fühlen uns geschmeichelt. (Lacht.)
Nun ja. Ich bin euch einfach dankbar. Ihr hättet mit eurer Expertise ebenso gut dankend ablehnen können: Was will der? Taucht aus dem Nichts auf. Den brauchen wir gar nicht. Bloß weil er eine Debüt-Geschichte geschrieben hat, die Aufmerksamkeit fand.
Also, ›Nur ein Werbespot‹ hat mich sofort angesprochen. Das war eine runde Geschichte und gab den perfekten Abschluss in unserer Anthologie ›Ferne Horizonte – Entfernte Verwandte‹. – Hättest du denn noch ein paar abschließende Worte, Dieter?
Ad hoc nicht. Ich werde bestimmt ein paar Famous Last Words auf der EXODUS-Website hinterlassen. Und auf meinem Instagram-Account.




(*) Diese exklusiven Fotos sandte uns Dieter erst gestern zu. Vielen Dank.
Die Fragen stellte Hans Jürgen Kugler
Das nächste Gespräch unserer Interviewreihe erscheint am 28. August 2026. Dann kommt Heinz Wipperfürth zu Wort.
