Andreas Eschbach: »Eine unberührte Welt«

Mehr Kurzgeschichten von Andreas Eschbach!

Natürlich könnten wir an dieser Stelle Eschbachs – von vielen sehnsüchtig erwarteten – Nachfolger des legendären »Das Jesus Video« vorstellen, nämlich »Der Jesus-Deal«. Aber was sollte das bei der beschränkten Reichweite von EXODUS schon bewirken? Nein, das Ding von EXODUS ist die Kurzgeschichte. Was für eine Freude, dass ein Meister seines Fachs, der vom Verkauf seiner Romane lebt, auch die kurze Form der Prosa nicht verschmäht.

In seiner Kurzgeschichten-Sammlung »Eine unberührte Welt« beweist er einerseits eindrucksvoll, wie unglaublich originell gerade kurze Texte sind – sein sollten – und andererseits wie unterhaltsam sie sein können. Die meisten Geschichten in dem Buch sind ohne Übertreibung sehr viel erfrischender als die meisten der Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Den Auftakt macht sogleich einer der besten Texte der Sammlung. In »Quantenmüll« offenbart Eschbach schonungslos die Bequemlichkeit von uns Menschen und lässt die Geschichte schließlich in eine verdammt bissige Pointe gipfeln. In dem besonders kurzen Text »Well done« erfahren wir, dass es tatsächlich eine geheime Gesellschaft gibt, die regelmäßig Außerirdische ruft und anlockt. Warum sie das tut, mag uns schockieren. So viel sei verraten: Mit dieser Auflösung rechnet niemand! »Die grässliche Geschichte vom Goethe-Pfennig« erzählt uns von einem »Autoren-Arbeitsplatz-Schutzgesetz«, das die unzumutbare Situation von Autoren in unserer sogenannten Kultur verbessern soll. Darüber freut sich auch der erfolglose Autor Peter Eisenhardt, aber die Folgen des Gesetzes hat niemand so recht bedacht. EXODUS-Leser wird es freuen: Es gibt auch lupenreine SF-Geschichten, so zum Beipsiel »Die Wunder des Universums«, die von einer einsamen Astronautin handelt, die auf dem Jupitermond Europa gestrandet ist. Der etwas melancholische Grundton der Erzählung erzeugt eine besondere und authentische Atmosphäre. Ebenso gibt es eine Episode aus dem »Haarteppichknüpfer«-Universum, die von zwei Wärtern eines Raumschiff-Friedhofs handelt.

Aber unter den sage und schreibe siebenundzwanzig Storys finden sich auch welche, die dem Mystery- oder Horrorgenre zuzurechnen sind, so »Halloween« oder »Rain Song«. Wenn ein alter Indianer einen davor warnt, ein altes Lied seines Volkes, in dem die Götter um Regen gebeten werden, von vielen tausend Kehlen in einem Stadion singen zu lassen, dann täte man gut daran, auf ihn zu hören.

»Eine unberührte Welt« ist eine abwechslungsreiche Sammlung, mal Mainstream, mal Science-Fiction, mal Mystery, immer voller Witz und Überraschungen.

Die empfehlenswerte Story-Sammlung ist bereits 2008 (unter der ISBN 978-3-404-15859-1) bei Bastei-Lübbe erschienen - allerdings noch immer offiziell im Programm und damit lieferbar!

gepostet (OKe) = Olaf Kemmler


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