Seit seiner »Wiederauferstehung« vor einigen Jahren hat sich »Exodus« in der Phantastik-Szene etabliert. Das Magazin, das seinen Untertitel »Science Fiction Stories & Phantastische Grafik« sehr ernst nimmt, ist die derzeit beste Publikation, in der deutschsprachige Autorinnen und Autoren kürzere Science-FictionTexte veröffentlichen können. Ein ansprechendes Layout und ein perfekter Druck machen das A4- Magazin zu einem literarischgrafischen Ereignis, das sich ein Fan des Genres nicht entgehen lassen sollte.

Das gilt auch für die aktuelle Ausgabe 28, die im September 2011 erschienen ist. Das Magazin wird als Themenheft zu »Von fernen und anderen Reisen« apostrophiert. Dabei lassen die Herausgeber - so schreiben sie in ihrem Vorwort - bewusst offen, ob die Reisen durch den Raum oder die Zeit gehen sollen. Schließlich solle »Vielseitigkeit ... auch bei vorgegebenen Themen garantiert sein«.

Die Vielseitigkeit zeigt sich, wenn man sich die einzelnen Geschichten anguckt. Sie sind mal ernsthaft, mal witzig, spielen mit klassischen Scien- ce-Fiction-Themen oder enthalten ein Gedanken-Experiment. Durch die Vielfalt an Themen sollte jeder Leser auf seine Kosten kommen. Helmuth W. Mommers liefert mit »Goodbye James!« eine rasantwitzige Geschichte, in der ein harmloser Handelsvertreter auf einmal zu einem James Bond der Zukunft wird. Zwischen Humor und Melancholie pendelt hingegen Frank Neugebauers »Rückreise«, die vor allem ein Gedanken-Experiment darstellt. Bernard Craws »Prüfung« thematisiert ein Generationenraumschiff, und bei »Die Geschichte der MORNING DOVE« von Matthias Falke geht es um die Besiedelung eines unbekannten Planeten. In ein zerfallendes und untergehendes Venedig führt die melancholische Story »Venezia muore« von Wolf Welling; um das Ende einer langen Expedition geht es in der traurigen Geschichte »Am Ende der Reise« von Frank W. Haubold.

Mit Zeitreisen beschäftigen sich Rolf Krohn und Gundula Sell, eine eher historische Geschichte präsentiert Erik Simon. Übrigens haben diese drei erfahrenen Autoren ihre literarische Arbeit bereits in der DDR begonnen und stießen dort durchaus auf Schwierigkeiten.

Wie immer in den letzten Jahren hat auch diese »Exodus«-Ausgabe einen künstlerischen Schwerpunkt. Präsentiert wird Lothar Bauer, der seit Jahren als Fanzine-Herausgeber und Grafiker in der Szene tätig ist. Von ihm stammt das beeindruckende Cover der Ausgabe 28, ergänzt durch ein Dutzend farbiger Illustrationen, die in einem separaten Teil veröffentlicht werden. Dazu kommt ein Leitartikel von Michael Haitel - alles in allem die sehr gelungene Würdigung eines Science-FictionKünstlers.

Selbstverständlich sind alle Geschichten sorgsam illustriert worden; die Stilrichtungen der einzelnen Künstler unterscheiden sich ebenso wie die der Autoren. Mit der Verbindung aus Text und Grafik löst »Exodus« gleich mehrfach das Versprechen ein, das die Herausgeber mit ihrem untertitel geben.

Die aktuelle »Exodus«-Ausgabe ist 104 Seiten stark, die als Paperback gebunden sind. Das Magazin hat einen farbigen Umschlag und enthält im Innenteil die bereits erwähnten Farbseiten. Für 9,90 Euro kann die Einzelausgabe über die Homepage des Magazins bezogen werden; ein Abo über zwei Ausgaben kommt auf 19 Euro.

Klaus N. Frick, Karlsruhe, auf Perry Rhodan.net


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