EXODUS 31 EXODUS 31 Oliver Engelhard

Erschienen: 18. Juni 2014

112 Seiten

Preis: 12,90 € 
Ausland: (zuzüglich Versand)

Vergriffen!

ISSN 1860-675X

 

»Ein neues Rendesvous von Gedanke und Phantasie«

LITERARISCHER Inhalt:

Stories

Lyrik • Section

Essay

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Personen in dieser Konversation

  • Michael Tillmann, Neuss

    Das Essay „Science Fiction: Zukunftsliteratur? Pure Nostalgie?“ von Herrn ROTTENSTEINER hat mich persönlich sehr enttäuscht. Bestenfalls kann man es als eine Art schlichter Bestandsaufnahme sehen. Eine solche hätte aber auch ein Literaturstudent im ersten Semester schreiben können.
    Somit wird der Text den früheren Stellenwert von Herrn ROTTENSTEINER leider nicht gerecht, denn die eigentliche alles bestimmende Frage wird nicht einmal ansatzweise angesprochen: Warum interessieren die Themen der klassischen Science Fiction das moderne, insbesondere das junge, Publikum nicht mehr?
    Ein guter Ausgangspunkt für einen solchen Exkurs wäre der von Herrn ROTTENSTEINER im Essay selbst als Beispiel erwähnte JOHN BRUNNER. Seit weit mehr als 40 Jahren gibt es nun solche Autoren, die Propheten des Untergangs. Sein Roman „Schafe blicken auf“ ist so sehr von der Aussage geprägt, die BRUNNER in die Welt hinausschreien will, dass eine unterhaltende Handlung nicht stattfindet. So etwas kann man heute niemanden mehr anbieten. SCHÄTZING hat es da schon besser gemacht. Aber auch SCHÄTZING wird wohl kaum beim Thema Katastrophe bleiben.
    Ich darf mich Umweltwissenschaftler nennen, und mir ist im Laufe des Studiums und Lebens immer klarer geworden, dass vieles schlicht und einfach nur Hysterie ist. Kann es sein, dass der Club of Rome über das Ziel hinausgeschossen ist? Ökologie darf keine religiösen Züge annehmen!
    Die jungen Menschen hören den ganzen Tag ständig das Katastrophengefasel. Kein Wunder, dass sie in ihrer Freizeit nicht auch noch darüber lesen wollen. Ist das denn nicht verständlich?
    Dabei ist die Lage in der Praxis gar nicht so schlecht. Zumindest in den Ländern, die sich mental von den archaischen Strukturen wie Religion/Aberglauben oder Sozialismus weitgehend säkularisiert haben, steigen sogar Lebenserwartung und Lebensqualität immer und immer weiter an. Und wenn es Probleme gibt, so muss man an praktischen Lösungen arbeiten, anstatt den Untergang zu predigen. Man denke beispielsweise an die Rauchgasentschwefelung gegen Sauren Regen (vgl. hier die BImSchV).
    Ich habe sehr viel über die Menschfrage nachgedacht. Der Mensch ist nicht „böse“, weil er böse ist, sondern weil er nur mit diesen aggressiven und egoistischen Verhaltensmuster überleben konnte. Nicht wir haben die Umwelt verändert, sondern die Umwelt hat uns genauso geschaffen, wie wir jetzt sind. E. O. Wilson spricht von Sozio-Biologie.
    Und wenn wir jetzt wirklich die Umwelt verändern, so sind wir doch ein Teil dieser Umwelt, so dass die Veränderung, die wir hervorrufen, letztlich etwas vollkommen Natürlich ist. Wie stehen ja nicht außerhalb, sondern sind ein Teil des Ganzen. OK, die Welt verändert sich. Aber Veränderung ist Leben; Stillstand ist Tod!
    Andererseits gibt es Themen mit zukunftsweisendem Charakter (vgl. zum Beispiel die Drohnentechnik in SUAREZ „Kill Decision“), die von schlafmützigen Vertretern der klassischen Science Fiction weitgehend übersehen werden. Leute wie SUAREZ haben mehr Ahnung von Science als 90% der klassischen Autoren. Ja, ja, ASIMOV, ist klar. Trotzdem, es würde der Science Fiction sehr gut tun, wenn es dort mehr MINT-Leute anstatt Geisteswissenschaftler und Medienleute geben würde. Aber das wird wohl ein Wunsch bleiben.
    Wie oft hört man den Spruch: „Ich lese SF, weil ich mich für Naturwissenschaften interessiere.“
    Ok, Leute, aber warum habt Ihr dann nicht konsequent eine Naturwissenschaft studiert?
    Aber es geht nicht nur darum, dass viele Autoren nicht auf dem Stand der Technik etc. sind. Auch insbesondere sozial-politische Zukunftsthemen kommen quasi in zeitgenössischen utopischen Texten nicht vor. Wo bleiben zum Beispiel die Stories darüber, wie der wachsende Anteil der muslimischen Bevölkerung unsere westliche Gesellschaft verändern wird?
    Man könnte noch mehr Themen, die Menschen bezüglich der Zukunft heute bewegen, aber quasi in der SF-Literatur nicht stattfinden. In klassischen Magazinen bekommt man eine Space Opera besser los, als eine Geschichte mit realem, zukunftsweisendem Bezug. Und dann wundert man sich, dass niemand mehr Science Fiction lesen will? Das ist lächerlich! Aufwachen, Freunde, aufwachen!
    (Beim Thema Lächerlich, soll noch kurz erwähnt werden, dass es Science Fiction Freunde gibt, die erklären, dass 3D-Technik ihnen zu modern ist. Was für ein Widersinn! Leute, die Science Fiction ist die Moderne! Sollen wir bis zum Jüngsten Gericht die Wiederholung von Raumpatrouille Orion schauen? Raumpatrouille Orion fliegt nicht mehr!)
    Wie bereits gesagt, dringt Herr ROTTENSTEINER zum Thema „Änderung der in der Bevölkerung als zukunftsrelevant erachteten Themen“ gar nicht vor. Nun könnte man sagen, dass wäre gar nicht das Ziel des Essays gewesen. Klar, kann man! Aber über den Stand der Dinge waren wir doch schon vor dieser Veröffentlichung alle ausreichend informiert. Sein Text ist somit eine absolute Zeitverschwendung.
    Das macht mich sehr, sehr, sehr traurig, denn ich glaube an Herr ROTTENSTEINER das Schicksal einer ganzen Generation zu erkennen, die weitgehend den Kontakt zur Zukunft und zur Jugend verloren hat.
    Es gibt dort draußen viele junge Menschen, die glücklich sind, wenn die 68er Generation in Rente geht, soweit sie denn überhaupt noch wissen, was denn die 68er Generation eigentlich war.

    Trauige Grüße
    Michael Tillmann

  • Quo Vadis Science-Fiction? - Eine Antwort auf Franz Rottensteiner

    Vor mehr als 14 Jahren fragte mich eine Freundin, weshalb ich Science-Fiction Fan bin. Dieser Frage war vorausgegangen, dass ich festgestellt habe, dass ich vor allem Science-Fiction Literatur und Filme konsumierte, seit ich 7 Jahre alt war. Damals freute ich mich über eine interessierte Gesprächspartnerin. Heute ist mir bewusst, dass die Frage anmaßend und beleidigend ist. Niemand fragt, warum man Fußball schaut oder Tennis schaut; warum man gerne Heavy-Metal Musik hört und nicht Hip-Hop; weshalb man Krimis liest und nicht Abenteuerromane. Das Genre Science-Fiction hat einen Sonderstatus als Genre. Leser und Zuschauer dieser Erzählvarianten gelten als Sonderlinge und Außenseiter. Weshalb dies so ist, hat sicherlich vielerlei Gründe. Ich möchte einen ganz bestimmten dieser Gründe hier erörtern. Interessanterweise bestand vor 14 Jahren ein Teil meiner Antwort aus diesem Grund: Science-Fiction kaschiert ihren Inhalt.

    Um dies konkreter auszuführen, möchte ich zunächst Aristoteles' Dramentheorie nochmals in Erinnerung rufen, die Grundstruktur einer jeden Erzählung, jedes Hollywood Filmes, allen voran seit Urzeiten der Erzählung. Es ist erstaunlich, wie einfach diese Struktur ist und wie wirkungsvoll sie noch immer umgesetzt wird. Die Struktur kann auf ein Trippel herunter gekocht werden: "Ein Held, ein Ziel, ein Hindernis". Alle, ich wiederhole, alle erfolgreichen Filme unserer Zeit, alle erfolgreichen Romantitel jeder Zeit bauen darauf auf. Es ist eine funktionale Struktur, d. h. diese Struktur ist die tragende Struktur einer Erzählung, innerhalb derer es Positionen gibt, die eine Funktion erfüllen. Daher heißt sie auch funktionale Struktur. Grundlegend besteht die Struktur aus fünf Positionen: Dem Helden, dem Sender, dem Empfänger, dem Ziel, dem Kontrahenten. Wahlweise können noch zwei weitere funktionale Positionen hinzukommen: der Adjutant des Helden und der Adjutant des Kontrahenten. Diese funktionalen Positionen können 1. mit einer unterschiedlichen Anzahl an Elementen gefüllt werden und 2. miteinander unterschiedlich gekreuzt werden. Insofern sind diese funktionale Positionen wie Backformen in der Küche: Sie sind starr und gegeben, der Bäcker entscheidet mit welchem Inhalt er sie füllt.

    Schauen wir uns zunächst einmal die Position des Helden an: Da gibt es Batman, Superman, Luke Skywalker, Han Solo, Andrew Wiggin, James T. Kirk, Spock. Es ist ersichtlich, dass die Position des Helden mit vielen Charakteren gefüllt werden kann, je nachdem wie groß unsere Erzählung sein soll.
    Der Held muss ein Ziel erreichen: Für Batman ist es die Befreiung Gothams von Verbrechen, für Superman ist es, Lex Luther platt zu machen, Luke Skywalker und Han Solo wollen die Prinzessin retten (und nebenbei das Imperium besiegen), Andrew Wiggin muss die Buggers besiegen, James Kirk und Spock wollen das Weltall erforschen.
    Selbstverständlich werden unsere Helden von der Erfüllung ihres Zieles von ihren Kontrahenten abgehalten. Batman kloppt sich mit Joker, Supermans Kontrahent ist gleichzeitig sein Ziel: Lex Luther. Luke und Han werden von Darth Vader verfolgt, Kirk und Spock kämpfen gegen Gorns, explodierende Leitungen, kaputte Transporter.
    Der Sender ist derjenige, der unseren Helden beauftragt, sein Ziel zu erreichen. Im klassischen Märchen ist es der König, der Prinz Charming ausschickt, seine Tochter aus den Klauen des bösen Drachen zu befreien (= Kontrahent). Sehr häufig ist auch der Sender eine abstrakte Idee oder ein Leitmotiv anstatt eine konkrete Person. Bei Batman ist es sein angeknackstes Ego, bei Superman die Gesellschaft (und sein übertriebener Gerechtigkeitssinn), Luke wird von Obi Wan Kenobi aufgefordert, die Prinzessin zu befreien, Luke selbst fordert Han Solo auf. Ja, und Kirk und Spock: auf jeden Fall die menschliche Neugier.
    Interessanterweise fallen häufig Sender und Empfänger zusammen. So ist natürlich der König auch gleichzeitig derjenige, der seine Tochter in die Arme schließen will. Bei Batman profitiert die Gesellschaft davon, dass er die Bösen von der Straße fernhält. Er ist es wohl bei Luke und Kirk?
    Die Adjutanten der Helden und der Kontrahenten sind die Helferchen in der Geschichte, diejenigen die die Fragen stellen. Häufig sind es die Fragen, die sich auch der Leser/Zuschauer stellen sollte und die dann der Held beantworten kann. So stellt Dr. Watson ständig doofe Fragen, damit Sherlock Holmes den Plot weitererzählen kann. Batman hat Robin, Luke hat Han, Kirk hat die Rothemden, Superman hat Superwoman (irgendwann).

    Spannend wird es, wenn Positionen zusammenfallen (So ist Han tatsächlich Helfer von Luke Skywalker als auch einer der Helden). Dies kann von vornherein ersichtlich sein oder als Twist in der Geschichte. So können z. B. Helferchen der Bösen auf einmal Helferchen der Guten werden. Oder die guten Helferchen stellen sich als die Kontrahenten heraus. Oder unser Held stellt sich selbst als Kontrahent heraus, usw. Leider ist die Anzahl der Kombinationen beschränkt, wenn man einen sinnvollen Plot erzählen möchte. Daher ist es klar, dass in unsere dreitausend Jahre alte Erzählkultur tatsächlich alle möglichen Kombinationen schon vorgekommen sind. Niemand kann eine neue Kombination mehr erfinden. Was heutige Autoren leisten ist es, die vorhandenen Kombinationen so mit Inhalt zu füllen, dass der Leser/Zuschauer die falschen Erwartungen aufbaut. Oder wer hätte tatsächlich gedacht, dass Bruce Willis der eigentliche Geist in Sixth Sense ist, den der kleine Haley Joel Osment von seinem Leid befreien soll und dass es sich nicht andersherum verhält?

    Das tolle an dieser Struktur ist, dass sie dem Autor einen einfachen aber effektiven Rahmen gibt, um seine Geschichte zu erzählen. Diese Geschichte kann tatsächlich einfach aus diesem Rahmen bestehen, d. h. Prinz rettet Prinzessin (oder Luke rettet Lea). Der Rahmen kann auch dazu benutzt werden, intelligente, komplexe und anspruchsvolle Inhalte an den Leser heranzutragen. Das beste Beispiel hierfür ist z. B. der Tatort. Jede Woche suchen unsere allzeit beliebten Polizisten den Mörder. Gleichzeitig werden die Fälle (teilweise zu viel) mit gesellschaftlich relevantem Inhalt gespickt - Ausnutzung von Arbeitern, Prostitution, alles Negative. Die Tatortautoren haben dieses Schema natürlich derart übertrieben, dass es zu den allseits bekannten Parodien vom Tatort kam.

    So viel zur Dramentheorie. Nun müssen wir uns damit beschäftigen, womit die Science-Fiction diese funktionalen Positionen besetzt und welchen Themen sie sich widmet. Schauen wir uns die Themen der folgenden Autoren an:
    1. Philip K. Dick
    2. Stanislaw Lem
    3. George Orwell
    4. Isaac Asimov

    Selbstverständlich ist diese Auswahl sehr stark populistisch, da diese Autoren zu den bekanntesten der Science-Fiction zählen. Aber gleichzeitig decken sie meiner Meinung nach ein großes Themenspektrum der SciFi ab.
    Dick's Werk beschäftigt sich mit Fragen zur Psychologie des Ichs und der Selbstwahrnehmung (z. B. Blade Runner) und zur Realitätswahrnehmung (z. B. Ubik). Desweiteren spielte die Religion eine große Rolle.
    Lem's Werk beschäftigt sich auf der mikroskopischen Ebene mit Machtstrukturen (z. B. Der Unbesiegbare, Fiasko), gleichzeitig stellt er Fragen an die Stellung des Menschen im Universum (z. B. Solaris). Die Themenbandbreite seiner Kurzgeschichten ist absolut mannigfaltig, wenn man an Pilot Prix, die Cyberiaden oder Ijon Tichy denkt. Vor allem die Kurzgeschichten sind eine Auseinandersetzung mit dem technisch, psychologisch und philosophisch machbaren.
    Orwell hat, und das ist natürlich bekannt, sich mit totalitären Systemen auseinandergesetzt, sowohl in 1984 als auch Animal Farm. Desweiteren ging es ihm um die Stellung des Individuums innerhalb der Gesellschaft und inwiefern es gesellschaftliche Abläufe als einzelner verändern kann.
    Last, but not least, Asimov: Noch vor den Borg, noch vor Star Wars, noch vor der Matrix, begab er sich, neben seines Interesses an Strukturen und Wiederholungen der in der Geschichte (Foundation) auf die Suche, wie Mensch und Maschine miteinander leben können (Robotergeschichten). Die drei Gesetze der Robotik sind derart bekannt unter Wissenschaftlern, dass der Teil der Informatik, die sich mit Robotern beschäftigt, tatsächlich nach Asimov Robotik benannt wurde.

    Diese Autoren haben sich alle mit dem Status des Menschen, seiner Gesellschaft und ihren technischen, psychologischen, religiösen und philosophischen Entwicklungen beschäftigt. Diese Themen sind eingebettet in eine Hülle, die nach Militarismus und Technikaffinität aussieht. Sehr häufig sind die Helden dieser Geschichten keine Supermänner und Batmänner. Ihre Kontrahenten sind nicht Jokers und Darth Vaders, sondern, positiv gesehen der innere Wissensdurst, negativ gesehen, die Unwissenheit. Ihr Ziel ist es nicht, den Bösewicht mit einem Maximum an opulenter Gewalt zu bezwingen, sondern in dem Spiel der Charaktere innerhalb des Plots, im Spiel mit der funktionalen Struktur Fragen zu erörtern. Das ist Science-Fiction, Wissenschaft und Fiktion, im wahrsten Sinne ihres Wortes.
    Das Spannende ist ja, dass diese technische Hülle dem Autor ein Mittel bot, eben solche Fragen zu stellen; Konstellationen und Situationen zu erfinden, in denen sie beantwortet werden können. Ich würde vielleicht soweit gehen, dass die Science-Fiction (zusammen mit der Fantasy) dasjenige Genre ist, sich ungeniert mit diesen Themen zu beschäftigen, ohne dass irgendjemandem auf die Füße getreten wird, gerade weil sie ihre Themen kaschieren kann. Jedes andere literarische Genre nennt die Dinge beim Namen. Der SciFi Autor erfindet Rassen und Orte, denen er Eigenschaften gibt, die er erörtern möchte. Bestes Beispiel hierfür sind die Klingonen, die vielfältigsten Gegenspieler im Star Trek Universum.
    Darum bin ich Science-Fiction Fan. Weil sie Fragen erörtert auf eine indirekte Art und Weise. Weil sie über Entwicklungen spricht, die sonst keiner wagt anzusprechen.

    Diese Art der Science-Fiction, wie sie oben erwähnt wurde, wurde zu einer Zeit geschrieben, als die Welt gerade einen vernichtenden Krieg erlebt hat und auf dem Wege war, dass zwei weltpolitische Gegner mit dem Gedanken gespielt haben, einen Atomkrieg zu beginnen. Die Menschheit stand gewissermaßen vor ihrer selbstverschuldeten Vernichtung. Die Science-Fiction hat sich mit diesen Realitäten beschäftigt. Und heute? Die Weltmacht USA hat keinen Opponenten mehr, der technisch und finanziell mit ihr auf Augenhöhe ist. Wir leben in einer Überflussgesellschaft, uns geht es gut, wir brauchen keine Angst zu haben, morgen in einer atomverseuchten Hölle zu leben. Scheinbar gibt es nichts mehr, was erörtert werden muss. Daher wird die Science-Fiction immer banaler. Wie Franz Rottensteiner geschrieben hat, es zählt mehr der visuelle Eindruck der Gewaltverherrlichung, als der intellektuelle Kern. Die Plots dieser Erzählungen, und das gilt sowohl für das Kino als auch für das geschriebene Wort, Rücken die funktionelle Struktur in den Mittelpunkt, als sich wie oben geschildert, mit intellektuellen Fragen zu beschäftigen. Prinzen suchen wieder die Prinzessinnen, töten die Drachen, bekommen den Schatz. Autoren verbrauchen ihre Gabe, um unendliche Plots zu generieren. Dadurch ist garantiert, dass eine Erzählung dreitausend anstatt nur dreihundert Seiten füllt. Der intellektuelle Inhalt dieser Geschichten aber ließe sich auf einer Seite zusammenfassen. Gleichzeitig versuchen Verlage, so mein Eindruck, die wenigen Leser, die ihnen noch geblieben sind, durch ewige Fortsetzungen an sich zu binden. Dadurch ist die Science-Fiction, jedenfalls in ihrem jetzigen Zustand zu einem banalen Abenteuerroman verkommen, die ewig fortschreitenden Bände zu einer Seifenoper. Vieleicht ist es gerade diese Entwicklung, diese intellektuelle Anspruchslosigkeit warum unsereiner von der Science-Fiction abrückt.

    Muss es so bleiben? Leben wir wirklich in einer perfekten Welt, so dass wir unsere schöpferische Kraft darauf verschwenden sollen, kurzweilige Makulatur zu produzieren? Schauen wir uns einfach in der Welt um. Es gibt neue Entwicklungen, innerhalb unserer Gesellschaften als auch gesellschaftsübergreifend. Wir erleben eine neue Völkerwanderung aus Asien und Afrika nach Europa. Die langerkämpften Demokratien der westlichen Welt werden von faschistoiden Regimen bedroht, während das "alte Europa" tatenlos dabei zusieht. Wir stehen vor der Erschöpfung des wichtigsten Energielieferanten Öl, während unsere Regierungen weiteren Wachstum und Konsum fordern. Bildung in unserer Kultur verliert an Wert. Die prognostizierte, herbeigesehnte und befürchtete technische Entwicklung wird nun Realität. Wir leben in einer totalüberwachten und unbegrenzt gespeicherten Welt. Das sind Themen, die Autoren, sowohl von Film als auch Buch, aufgreifen müssen. Das sind Themen, die der Science-Fiction zu Eigen sind. Dies ist ein Teil der Themen, mit dem wir uns in Zukunft als Autoren fragend und erörternd beschäftigen müssen. Wir müssen diese uralte funktionale Struktur der Erzählung wieder uns als Mittel zum Zweck zu Eigen machen und sie nicht als den Zweck selbst ansehen. Dann würden auch die alten Eisen, die in ihrer Jugend so viel Scifi konsumiert, aber nun damit aufgehört haben, den Stoff wieder lesen.

  • Christian Weis, Zellingen

    Die 31 hat bisher gefallen, ziemlich gut sogar, bin aber noch nicht ganz durch. Storyhighlight war für mich bisher die Geschichte von Welling, und die von Iwoleit klingt auch noch stark nach. Bisher (es fehlen noch ein paar - meine diversen Lesestapel werden tendenziell größer statt kleiner, weiß auch nicht wieso ...) fand ich die Storys sogar etwas besser als die aus der 30. Dafür hat mir die Galerie aus Nr. 30 besser gefallen - die Grafiken von Oliver Engelhard sind zwar sehr schön anzusehen, aber das Motiv dieses Frauenkopfs verfolgt den Betrachter in verschiedenen Variationen doch recht hartnäckig. Aber der Mann kann was, keine Frage!

  • Martin Baresch, Eislingen

    (…) Dass EXODUS so super aufgenommen wird, freut mich sehr, wundert mich aber kein bisschen!
    Die Grafiken des Künstlers sind m. E. zwar erst mal gewöhnungsbedürftig, aber dann...! Größte Hochachtung aber vor der Person des Künstlers Oliver Engelhard und dessen sozialem Engagement. Grandios fand ich wie immer Mark Freiers Arbeiten. Von der Stimmung her am meisten beeindruckt hat mich Mario Frankes kleine Grafik auf S. 38. Nostalgisch ums Herz wurde dem alten "Von Stern zu Stern"-Fan angesichts der Grafik von Manfred Schneider auf S. 19. Ich hab mir Arn Borul "damals" erst mal wg. meiner Begeisterung für Manfreds stimmungsvolle Cover gekauft ... (sprich: direkt beim Verlag bestellt, weil`s die damals nirgends am Kiosk zu kaufen gab) und darüber dann die tollen Geschichten für mich entdeckt. Klasse, dass Jörg Kaegelmanns BLITZ Verlag die Serie fortführt.

  • Nils Gampert, Hannover

    (…) ich muss gestehen, dass ich es bisher nicht durchgelesen habe. Ich habe zwei Geschichten gelesen und sonst hauptsächlich die Bilder studiert, aber insgesamt gefällt mir das Magazin schon sehr gut. Wenn man sich die Menge an Inhalt und die Aufmachung besieht, könnte es sogar teurer sein als 12,90€. Ich bin auch nicht soo der extreme Sci-Fi-Leser, aber an und an habe ich Lust darauf und als ich eine Anzeige in der "Phantastisch!" gesehen habe, dachte ich, ich teste einfach mal. Der Eindruck ist äußerst positiv.

  • Dr. Helmut Hirsch, Neustadt

    (…) Zu der Ausgabe: Ich finde die Grafiken verzichtbar -- kitschig mit einem Schuss Sexismus.
    Zum Lesen der Stories bin ich noch nicht gekommen.

  • Jens Hille, Doberlug-Kirchhain

    (…) wo ich dir schon mal schreibe - euer EXODUS ist zu einem absoluten Schmuckstück geworden. Ich freu mich jedes Mal, wenn wieder eins im Briefkasten steckt. Macht weiter so.

  • Victor Boden, Freiburg

    EXODUS 31 habe ich gerade eben fertig gelesen. Am besten haben mir „Das Ende aller Tage“ und „Testament einer Außerirdischen“ gefallen. Die letztere Story ist sehr mysteriös und so was gefällt mir.

  • Helmuth W. Mommers, Bendinat

    Eine durchwachsene Ausgabe, von Flop (Endres und Krohn) bis Top (Riebl – Wie Giovanni verschwand), wobei letztere Story zwischen Fantasy und SF changiert, dafür ganz hervorragend geschrieben ist – hohe Erzähl- und Sprachkunst. Gut gefallen haben mir noch Die geheimsten Begierden von Alt und Die Akte PKD von Welling.
    Schwach empfand ich Sabethas Entscheidung, zu psychedelisch Testament einer Außerirdischen, wenngleich gut geschrieben. Iwoleits Story war für einmal eine Enttäuschung, aus meiner Sicht eines SF-Lesers. Die übrigen Storys – naja, nett.
    Ja, und bevor ich´s vergesse: Rottensteiners Essay sprach mir aus dem Herzen!
    Grafiken zumeist sehr gut, besonders gut umgesetzt war Riebls Geschichte von Jan Hillen.

  • Gregor Spörri, Reinach

    Ich bin seit Jahren begeisterter Leser von EXODUS. Eine mit großem Engagement und viel Liebe gemachte Zeitschrift.
    Die abwechslungsreiche wie gekonnte Mischung aus Text- und Bildbeiträgen weckt meine Neugier und Leselust bei jeder Ausgabe aufs Neue.
    Ein Kompliment und Dankeschön auch an die Autoren und Künstler. Großes Bravo und weiter so!

  • Robert Straumann, Basel

    (…) Wieder ein guter Wurf mit Kurzgeschichten und tollen Illustrationen. Besonders die Galerie von Oliver Engelhard hat was ganz "eignes" an sich. Die Bilder haben vor allem gefühlsmäßig auf mich gewirkt und sind schwer in Worte zu packen. Die Idee von Kurzgeschichten ist ja eigentlich die, dass man sie verteilt auf mehrere Tage lesen kann. Ich habe sie jedoch alle an einem Wochenende verschlungen und finde jede toll geschrieben. Lesegenuss pur - und einen Favoriten kann ich nicht finden. Humor, düstere Prognosen und Hoffnung halten sich in der Waage und ich werde sicher die eine oder andere Story nochmals lesen. Das alles macht Lust auch nach einer langen Pause mal selbst wieder was beitragen zu können.

  • Thomas Sieber, Darmstadt

    (…) Ich fand die Ausgabe insgesamt sehr gelungen. Einen Kritikpunkt muss ich aber loswerden, und ich könnte mir gut vorstellen dass ich nicht der Erste bin, der Ihnen das schreibt:
    Wie kann man Jack Vance als eine Fehlentwicklung der SF bezeichnen? Neben all den echten Fehlentwicklungen (von denen Lem ihm zweifellos ausgiebig geschrieben hat) - ausgerechnet Jack Vance! Artifiziell??? Künstlerisch wäre wohl die bessere Beschreibung. Und zwar selten erreicht, nicht nur im 'Genre'!
    Die Maxime 'SF builds on SF', wirkt ebenfalls etwas vernagelt - in einem reichlich konfusen Text ohne Tiefgang und klare Linie, mit der Kernbotschaft: 'Früher war alles besser' - oder etwas in der Art.
    ...soweit jedenfalls meine Meinung. Er würde mich wirklich mal interessieren, wie die Reaktionen auf diesen Artikel sind...

  • Dirk Alt, Burgwedel

    „Heute hat der Leser phantastischer Kurzgeschichten die Wahl zwischen einer
    Menge Kleinverlag-Anthologien und ganz wenigen Liebhaber-Magazinen. Die Anthologien sind leider oft sehr mäßig, d.h. in der Zusammenstellung willkürlich, schlampig lektoriert usw. Lange sind die goldenen Zeiten vorbei, in denen hochwertige Story-Zusammenstellungen von großen Verlagshäusern herausgebracht wurden. Genau die liebevolle Sorgfalt, die man bei den meisten der heutigen Anthologien vermisst, merkt man der EXODUS deutlich an. Am Schluss zahlt es sich aus, Wert auf Qualität zu legen: Dann steigen die auch Chancen, etwas Bleibendes zu schaffen.“

  • Martin Schemm, Hamburg

    (...) Und ja, EXODUS ist & bleibt das phantastische ShortStory-Magazin in Deutschland - ich werde es immer weiterempfehlen.

  • Dieter von Reeken, Lüneburg

    (…) heute ist EXODUS 31 eingetroffen - wieder einmal ein optischer und "haptischer" Genuss! Den Beitrag von Franz Rottensteiner habe ich sofort gelesen und meine Erfahrungen weitgehend bestätigt gefunden. Es ist gut, dass Ihr die Kurzgeschichten pflegt, und das auf so ansprechende Weise

  • Horst Pukallus, Wuppertal

    Hallo Rene: Wie versprochen ein paar Zeilen zu Exodus 31. Die Ausgabe enthält, wie zu erwarten, reichlich lesenswerte Storys, von denen mir Dirks Alts "Die geheimsten Begierden" (auch wenn ich wollte, er und die Redaktion kennten den Unterschied zwischen Mienen und Minen), Johannes Tosins "Datenmensch", Fabian Tomascheks "Boatpeople", Gynther Riebls "Wie Giovanni verschwand" besser gefallen haben, am besten aber Wolf Wellings "Die Akte PKD". Überhaupt überzeugt Welling mich jedes Mal, wenn er schreibt. Ich besorge mir seine Collection. Was Franz Rottensteiners auf vollem Durchblick beruhende Analyse des Niedergangs der SF und ihrer desolaten Situation angeht, so unterschriebe ich jeden Satz. Wenige merken, dass "Star Wars" in Wahrheit eine Verfilmung gewisser Werke Edmond Hamiltons ist (ich denke da an "Herrscher im Weltenraum"). - Als ziemlich kurios empfinde ich die verbreitete Begeisterung für Guy Fawkes. Der Mann war ein fanatischer Katholik, und die Absicht, das britische Parlament in die Luft zu sprengen, die damals immerhin fortschrittlichste Institution Europas, halte ich nicht für lobenswert. Aber sobald politisch ungenügend gebildete Wutbürger einmal eine Identifikationsfigur entdeckt haben - wobei sie sich wohl kaum am wirklichen Fawkes orientiert haben, sondern am Protagonisten des Films "V wie Vendetta" -, lässt so etwas sich wohl nicht mehr korrigieren. Herzliche Grüße sendet Euch und wünscht Euch weiterhin viel Erfolg mit Exodus: Horst Pukallus

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